Krisenkommunikation für Marken
Krisen
sind naturgemäß mit unpopulären Maßnahmen verbunden. Zusätzlich kratzt und beschmiert jedes
negative Ereignis das Image einer Marke. Je länger eine Krise dauert, desto mehr
bohrt sich der Zweifel in den Markenkern. Was kann man tun?
Besondere Rolle des
Markenkerns in der Krise
Der
Markenkern beschreibt die wesentlichen Werte bzw. Eigenschaften und
Kompetenzen, die eine Marke charakterisieren. Mit ihm entsteht eine
unverwechselbare Markenpersönlichkeit. Im Gegensatz zum Markenimage, das
ebenfalls langfristig wirkt, begründet der Markenkern die eigentliche Existenz
eines Brands. Brechen z.B. in Folge einer Krise einzelne Wertebereiche des
Markenkerns weg, so kann die Marke trotz scheinbarer Erfolge der Reputation
Maßnahmen als solches dennoch irreparabel beschädigt worden sein. Ohne gesunden
Markenkern fällt die gesamte Konzeption in sich zusammen. Markenimagepflege
ohne nachhaltige Ursachenforschung für Beschädigungen des Markenkerns bleiben
also reine Kosmetik.
Diagnose-
und Therapieansätze für beschädigte Marken
Der
Markenkern ist zugleich die noch verbliebene DNS zum Neustart nach der Krise. Die
ketzerische Frage lautet: Auf welchen verbliebenen Werten begründet die Marke
ihre zukünftige Existenzberechtigung? Sinnlos gewordene Marketinghüllen sollten
konsequent nach einer Krise abgestreift werden, um die Lernfähigkeit und
strategische Neuausrichtung des Unternehmens nach innen und außen glaubwürdig
zu demonstrieren. Begonnen wird dieser „Häutungsprozess“ mit den
ethisch-ideellen Werten, welche als erste in der Krise beschädigt wurden.
Hierzu zählen Werteverluste wie Mangel an Glaubwürdigkeit und Verlust der
Meinungsführerschaft (z.B. Beratungskompetenz in der Bankenindustrie), Verantwortungslosigkeit
gegenüber der Gesellschaft, Mitarbeitern etc. (z.B. Billigarbeiter im
Online-Handel), mangelnde Authentizität (z.B. im Rahmen von Politikerskandalen)
Materialismus statt Spiritualität (z.B. Katholische Kirche) u.v.a.
Erst auf
der Basis erneuerter ethisch-ideeller Werte des Markenkerns kann sich das
Unternehmen den in der Öffentlichkeit viel spürbareren emotionalen
Werteverlusten widmen: Hass und Ärger (z.B. Made in Germany aus Sicht
griechischer Konsumenten), Ängste (z.B. Arbeitsplatzsorgen der Opel-Mitarbeiter),
Neid (z.B. Diskussion um Managergehälter), Unlust und aktive Kaufabsagen (z.B.
Boykottaufrufe gegen Tankstellenmarken), Ekel (z.B. Pferdefleischskandal).
Im dritten
Schritt ist der Markenkern auf Beschädigungen in der ästhetisch-kulturellen
Dimension zu untersuchen: Hinweise auf inter- und intrakulturelle Intoleranz,
fehlenden Zeitgeist, Plagiatsanfälligkeit, Design-Verunglimpfungen müssen auf
ihre Ursprünge hin untersucht werden.
Last but
not least kann nun über eine Optimierung der sachlich-funktionalen Werte
nachgedacht werden. Beispiele für Markenkernbeschädigungen in diesem Bereich
sind Kampf gegen offensichtliche, meßbare Qualitäts- und Performancemängel,
sinkende Deckungsbeiträge, Zunahme der Garantiefälle etc.
Nach
diesem vierstufigen Diagnoseprozess wird der reparierte oder reduzierte Markenkern
in umgekehrter Reihenfolge wieder zusammengesetzt und auf sein ganzheitliches
Erscheinungsbild überprüft. Es folgen zielgerichtete Therapiemaßnahmen.
Allgemeine
Umsetzungshinweise
In der
Markenkommunikation nach einer Krise kommt der Betonung von einfachen, vor
allem funktional meßbaren Qualitätsaspekten eine besondere Bedeutung bei. Die
frühzeitige Kommunikation positiver, emotionaler oder ethischer Werte ohne
funktional erlebbaren Mehrwert kann zu ungewollten Vermischungen mit den noch
im Gedächtnis der Konsumenten vorhandenen Krisenbildern führen. Insgesamt muss
stets eine Spagatübung zwischen Wiedererkennung und Innovation angestrebt
werden.
Der
verloren gegangene Kontakt zum Kunden oder zu den Mitarbeitern muss
wiederhergestellt werden. Dabei lohnt es sich, Zeit in Befragungen zum
Markenwertverlust zu investieren statt die verbrannte Oberfläche nur schnell
und notdürftig durch ein paar Goodwill Kampagnen kosmetisch abzudecken.
Mit Hilfe
dieses evaluierten Wertekanons 2.0 können anschließend geeignete
Gestaltungsrichtlinien für das neue Brand Design, Brand Behaviour und Brand
Communication entwickelt werden. Auf diese Weise wird sicher gestellt, daß in
einer Krise nicht allein nur operative ad hoc Kommunikation betrieben wird. Der
Markenkern wird vielmehr zum Hüter der Unternehmenswerte in der Krise und hilft
auch in komplexen Situationen zweckmäßige Entscheidungen zu treffen.


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